Backhaus mahnt nach Schweinepest in Brandenburg zu größter Vorsicht

Mecklenburg-Vorpommern erhöht nach dem ersten bestätigten Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland die Schutzvorkehrungen. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) appellierte am Donnerstag in Schwerin an die Schweinehalter, in ihren Betrieben die Hygienevorschriften umfassend durchzusetzen. «Auch wenn der Fundort des Tieres circa 140 Kilometer von der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern entfernt ist, gilt es, die Biosicherheitsmaßnahmen in den Schweine haltenden Betrieben hochzufahren», betonte Backhaus.


Zudem sei von höchster Wichtigkeit, verendete Wildtiere, sogenanntes Fallwild, möglichst schnell zu finden und auf das Virus untersuchen zu lassen. Neben Jägern, Straßenwärtern, Polizisten und Landwirten seien auch die Bürger aufgerufen, die Veterinärämter über entdeckte Kadaver zu informieren. Im Ernstfall könnten dann unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Ausbreitung der Tierseuche im Land zu verhindern. Mit Wildzäunen entlang der Grenze zu Polen versucht Mecklenburg-Vorpommern bereits das Vordringen von möglicherweise infizierten Wildschweinen zu verhindern.


Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals in Deutschland bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen im Landkreis Spree-Neiße festgestellt worden. Das auf der Insel Riems bei Greifswald ansässige Friedrich-Loeffler-Institut, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt, brachte am Donnerstag den endgültigen Nachweis. Damit verliert Deutschland den Status als «seuchenfrei». Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, zum Beispiel nach Asien. Bei den Bauern gibt es deshalb große Sorgen vor wirtschaftlichen Auswirkungen.


Wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, ist die Tierseuche für den Menschen ungefährlich. Vom Verzehr von möglicherweise kontaminiertem Fleisch gehe keine Gefahr aus. Für Schweine sei die Seuche aber fast immer tödlich.


Backhaus verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern zum Schutz vor der Seuche und einer Früherkennung zu Jahresbeginn das sogenannte ASP-Landesprogramm in Kraft gesetzt habe. Mit dessen Hilfe könnten sich Schweinehalter rechtzeitig vorbereiten. «Wir schaffen somit Vorlauf für den Fall der Fälle, denn fehlt dieser, würden sowohl Betriebe in gefährdeten Gebieten und Pufferzonen, bestandsbetreuende Tierärzte, Veterinärämter als auch das Land in den ersten vier Monaten nach Errichtung dieser Restriktionszonen vor schwierige Probleme gestellt werden», machte Backhaus deutlich. Das Land und die Tierseuchenkasse unterstütze das Programm mit Beihilfen.


Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesjagdverbandes, Volker Böhning, appellierte Backhaus an die Jäger, die Wachsamkeit in ihren Revieren zu erhöhen und sich an den Überwachungsprogrammen zu beteiligen. Zudem solle die Bejagung des Schwarzwilds «so effektiv und umfassend wie möglich» erfolgen. Seit Jahren ist es das Ziel von Backhaus, die großen Wildschweinbestände spürbar zu reduzieren.


Um die Einschleppung der Seuche aus Polen zu unterbinden, hatte Backhaus den Bau eines etwa 1,50 Meter hohen Wildzaunes in Auftrag geben. Er soll bis Ende 2020 fertiggestellt sein. «Wir werden aber nicht vollständig verhindern können, dass Wildschweine die Grenze passieren», hatte Backhaus bei einem Besuch in Vorpommern aber eingeräumt. Denn das Schwarzwild könne gut schwimmen und die Grenze führe über 20 Kilometer Wasserfläche im Stettiner Haff, wo es keine Barriere geben werde. An Straßengrenzübergängen, wie Hintersee, Rieth, Linken, Garz auf Usedom oder Blankensee, sollen Wildtiere durch Vergrämungsmittel verscheucht werden.


Eine Ursache für die Verbreitung der Schweinepest sei aber auch der Mensch, sagte Backhaus mit Blick auf bisherige Ausbrüche in Belgien oder Tschechien. So seien diese Ausbrüche auf die Einfuhr unsachgemäß verarbeiteter Schweinefleischprodukte sowie deren Entsorgung in der Natur zurückzuführen gewesen.


Ein ASP-Ausbruch in Deutschland hätte nach Schätzung von Fachleuten gravierende Folgen für Schweinehalter und Lebensmittelverarbeiter. Allein für Mecklenburg-Vorpommern könne der Schaden bis zu einer Milliarde Euro hoch werden, hatte Backhaus erklärt.

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